Keramik und Töpferei in der Schweiz und International

Neue Keramik Zeitschrift 04/15

in Zeitschriften

DIE NEWS

PORTRAITS
Hans & Birgitte Börjeson  – Dänemark
Velimir Vukicevic – Serbien
Janet MacPherson – Kanada
Nathalie Doyen – Belgien
Frauke Albert – Deutschland
Suvira McDonald – Australien

FORUM / PÄDAGOGIK
„Form Follows Failure“ – Gustav Weiß – Kunstbetrachtung

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN
Galerie ATELIER NO 4 – Sankt Wendel Deutschland
„Bembel-Experiment“ – Höhr-Grenzhasuen – Frankfurt Deutschland
Salzburger Keramikpreis – Salzburg  Österreich
25 Jahre Keramikmuseum Berlin – Berlin Deutschland
Raval de l`Arte – Roquetes, Tarragona Spanien
Im Fluß der Zeit – Keramikerportrait – Oldenburg Deutschland
CERAMIC ART – London Großbritannien
Cathy Fleckstein – Kellinghusen Deutschland
NCECA ? Providence USA
Holzbrandkonferenz – Guldagergaard Dänemark
COLLECT – London Großbritannien
EXPONATE 2015 – Höhr-Grenzhausen Deutschland

KERAMIK & REISEN
Studium in Korea –  Seoul  Korea

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender

WERKSTATTGESPRÄCHE
Simcha Even-Chen – Evelyne Schoenmann Interview / Technik

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE

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BIRGITTE UND HANS BÖRJESON

Birgitte und Hans Börjeson

(Jorunn Veiteberg)
Die Keramik aus der Werkstatt von Birgitte und Hans Börjeson trägt die Signatur ‚Fulby‘, den Namen des Seeländischen Dorfes, in dem sie seit 1963 leben und arbeiten. Der Name ist ein Indiz dafür, dass es keinen Sinn macht, danach zu fragen, wer von ihnen für welche Arbeitsschritte zuständig ist, genauso wenig wie man bei ihnen einen Topf bestellen kann, der ausschließlich von Brigitte oder Hans angefertigt wurde. Ob es um die Entwicklung neuer Ideen geht, um Lösungen für technische und künstlerische Probleme oder um die Realisierung bestimmter Stücke, sie arbeiten stets eng zusammen, auch wenn sich Hans in der Regel mit den körperlich anspruchsvolleren Drehaufgaben befasst und Birgitte eher mit der Dekoration. Auf diese Art zusammenzuarbeiten und die Keramik nach dem Ort zu benennen, in dem sie produziert wird, ist eine tief in der Geschichte des Handwerks verwurzelte Praxis. Seit sie sich in Englands Töpferregionen Cornwall begegneten, während sie beide in der Crowan von Harry und May Davis arbeiteten, gelingt es ihnen stetig das Beste dieser Tradition weiter zu entwickeln.
Viele Menschen assoziieren mit Fulby hauptsächlich salzglasierte  -Keramik. Obwohl sie auch Geschirr und Schalen aus mit Seladon-Glasuren herstellen, sind es die Salz-Glasuren, die ihre ?Marke? am stärksten prägen und für die sie auch die meiste Aufmerksamkeit bekommen;  beispielsweise waren sie bei der First World Ceramic Biennale in Korea im Jahr 2001 und beim der Internationalen Salzglasurwettbewerb in Koblenz 2002 unter den Preisträgern. Salzglasierte Keramik ist leicht erkennbar an ihrer knubelligen Oberfläche, die ein wenig an die Struktur von Orangenschalen erinnert.

JANET MACPHERSON

Janet MacPherson

(Anja Sommer)
Janet MacPherson besitzt eine kleine Sammlung von Kunststoff oder Gummi-Spielzeugtieren: Mäusen, Häschen, Schweinchen, Pferde und Vieles mehr.
Während ihres Arbeitsaufenthaltes in Berlin kauft sie einen Elefanten. Er passt proportional zu den anderen Gesellen ihrer kleinen Herde und wird, nachdem sie das Zentrum für Keramik wieder Richtung Canada verlässt, Grundlage einer neuen Gießform sein. Aufwendig in Gips abgeformt, gehört auch der Elefant dann in ihre Tierbibliothek von einfach zu vermenschlichenden Alteregos.
Aus ihrer Entscheidung, mit kommerziellen Figuren ihre Gipsformen herzustellen ergibt sich für MacPherson eine Fülle von Wahlmöglichkeiten und Kombination. Eine einmal getroffene Wahl ? die des Elefanten zum Beispiel ? wird von ihr immer wieder überdacht und in Frage gestellt. Teile ihrer Tierformen erscheinen durch ihr Spiel in neuen Zusammenhängen und verlieren gar das Tierische ganz. Sie verwandeln sich zu Gestalten, die an Protagonisten in Trickfilmen erinnern, Blechspielzeuge, Hybride aus Tier und Mensch oder weinende Madonnen in wallenden Kleidern.
MacPhersons zarte Tiergestalten sind verstörend und faszinierend zugleich. Dieser Effekt wird gerade durch die Zusammenführung des delikaten Materials Porzellan und dem Akt des Auseinanderschneidens- und Reißens der niedlichen Tierchen verstärkt.
Das Tierfell zeigt durch den präzisen Guss jede Maserung und feine Zeichnung. Ihre Plastizität wird durch den Verzicht auf Glasuren verstärkt. Einzig kleinere Details wie Hände oder Füße sind mit farbigen, oft roten, Glasuren oder Lüster behandelt.

NATHALIE DOYEN

Nathalie Doyen

Ich modelliere Ton in aller Ruhe und sehr bedächtig. Auf diese Weise komme ich in einen Rhythmus, in dem ich mich am besten auf meine Arbeit konzentrieren kann. Meine jüngsten Stücke habe ich mit viel Präzision und Geduld gefertigt. Aus einem Klumpen Ton forme ich in meinen Händen ein rundes Gebilde, eine Kugel, die ich verbreitere oder glätte. Mit ein, zwei oder drei Schnitten schnitze ich sanfte Kurven, wie flache Ebenen oder richtig derbe Ecken hinein.
Wie Moose oder Flechten in der Natur Steine überwuchern, bedecke ich mein noch sehr rohes Objekt mit einer Vielzahl von „mini Kugeln“ aus Ton, den ich zwischen meinen Fingern gerollt habe. Diese kleinen Steinzeug-Pastillen werden, sobald sie in Position gebracht sind, mit Metalloxiden gefärbt; eine nach der anderen strukturiere ich sie mit einer Nadel, indem ich viele feine Löcher hineinsteche. Manchmal bearbeite ich die Oberfläche danach noch mit verflüssigten Farbkörpern oder Oxiden weiter.
Aus technischer Sicht ist das ein relativ einfacher Vorgang. Aber die Herausforderung dabei ist es, sich während den sich wiederholende Bewegungen seine Feinfühligkeit und Konzentration zu erhalten. Das Verfahren ist dabei das wirklich Wichtige für mich: Ich habe schon immer sehr ruhig mit Ton gearbeitet, auf der Suche nach Ausgeglichenheit, aber jetzt suchen ich nach mehr.
Das langsame Tempo ist zu einem Prozess an sich geworden, welcher mir täglich während meiner Sitzungen (meistens um die 2 bis 6 Stunden) vor Augen führt, wie meditativ, ja sogar hypnotisch der Rhythmus meiner Arbeit werden kann.

FRAUKE ALBER

Frauke Alber

(Walter Lokau)
Als die 1962 geborene Keramikerin Frauke Alber anfing in ihrem Metier, sah die Welt der Keramik in Deutschland noch wunderbar, ja gülden aus …
Frauke Albers Anfang fällt zusammen mit dem Höhepunkt dessen, was man als das „Golden Age“ der deutschen Keramik bezeichnen könnte – eine Periode, die etwa um 1960 anhub und bis um 1990 das entfaltete, was als „Studiokeramik“ zu großen Privatkollektionen versammelt wurde und Eingang in Museumsbestände fand.
Keramik boomte! Galerien, Museen und Institutionen widmeten sich emphatisch dem Thema, und ein wachsendes Publikum aus Sammelnden erwarb mit Eifer die neuen edlen Unikate. Kunsthochschulen unterhielten Keramikklassen oder richteten solche ein. Und nicht minder begehrt wie die Keramik selbst war die Ausbildung zum Keramiker. Als jene um 1960 Geborenen antreten wollten, sahen die Aspiranten sich vor das Problem gestellt, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Auch Frauke Alber tingelte nach dem Abitur also kreuz und quer durch Deutschland, auf der Suche nach einer Lehrstelle, die sie mit Mühe und Glück auch fand in Merzhausen bei Freiburg im Breisgau, bei der Töpferin Maria Philippi. Die Lehre seit 1983 war fordernd, akkurat, aber freundlich. Unverzichtbarer Gewinn der Lehrzeit: Frauke Alber hat das Handwerk der Keramik von der Pieke auf gelernt. 1985 legte sie ihre Gesellenprüfung ab. Geschirr kommt zunächst gar nicht in Frage, sondern nur die voluminöse, plastische Form als Gefäß, nicht ohne  Funktion, aber autonom. Sie beschloss, sich an den  entsprechenden Hoch- und Fachschulen zu bewerben ? genommen wurde sie in Bremen, wo gerade in selben Jahr ’86 Fritz Vehring ordentlicher Professor für Keramik geworden war.

CATHY FLECKSTEIN IM KERAMIKMUSEUM KELLINGHUSEN

Cathy Fleckstein

(Hans-Georg Bluhm)
In Cathy Fleckstein begegnen wir einer der profiliertesten Keramikerinnen der Bundesrepublik. In diesem Sommer erlebt sie ihren 60. Geburtstag; Anlass genug, um Leben und Werk dieser bedeutenden Künstlerin zu beleuchten.
Herkunft und Ausbildung
Cathy Fleckstein wurde 1955 in Molsheim, einem kleinen Städtchen im Elsass, geboren. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Germanistik und Romanistik in Straßburg und Kiel. 1975 begann sie das Studium der Keramik bei Johannes Gebhardt, dem Leiter der Keramik-Klasse an der Muthesius-Schule, damals als ?Bereich Gestaltung? Teil der Fachhochschule Kiel. Damit traf sie auf einen Lehrer, der ihre künstlerische Individualität nachhaltig prägen sollte.
Abdrücke
1980 schloss Cathy Fleckstein das Studium mit dem Diplom ab. Das Examensthema lautete „Raum und Fläche“. Die Vorlagen dazu fand sie in ihrer geräumigen Wohn-Werkstatt, die sich in einem vernachlässigten Gründerzeit-Bau, der sogenannten „Milchküche“ in der Kieler Dahlmannstraße, befand.
Mit einem Tonauftrag nahm sie Relief-abdrücke von einzelnen Ecken und Flächen und dokumentierte damit die vorhandenen Wandstrukturen einschließlich des geborstenen Putzes und der schrundig gewordenen Farbanstriche. Damit gelang ihr eine ausschnitthafte plastische Erfassung des Raumes. Die Darstellung der Alterungsspuren und der Ergebnisse von Verfallsprozessen wurde durch Oxide und Engoben in vielfältigen Braun- und Rottönen auf der Oberfläche verstärkt.

Ausstellung im Keramikmuseum Kellinghusen bis 6. September 2015

EXPONATE 2015

Julia Saffer

Absolventinnen der Fachschule stellen aus
(Christoph Hasenberg )
Im Rahmen der Abschlussausstellung „Exponate 2015“ präsentieren die diesjährigen Absolventinnen der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen die Ergebnisse ihrer gestalterischen Ausbildung.
Die Werke der Keramikerinnen sind dabei maßgeblich durch eine Fokussierung auf die unterschiedlichen keramischen Schwerpunkte geprägt. Die Herangehensweisen der Absolventinnen sind individuell kreativ, sowie technisch eigenständig. Die gezeigten Exponate führen die Besucher dieser Ausstellung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den verschiedenen gestalterischen Möglichkeiten in der zeitgenössischen Keramik.
Während Grit Uhlemann und Ursula Madré ihre gänzlich unterschiedlichen Arbeiten dem Bereich der Oberflächengestaltung zuschreiben, entwickelt Julia Saffer neue Möglichkeiten plastischer Entstehungsprozesse keramischer Formen. Ulla Litzinger und Julia Brümmer setzen auf ganz verschiedene Art und Weise ihre Ideen im Bereich der Gefäßgestaltung um. Nathalie Pampuch widmet sich den besonderen Möglichkeiten der seriellen Produktion spezieller Gebrauchskeramik.
Ausstellungseröffnung am 17. Juli 2015 um 19 Uhr im Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen. Ausstellung bis 23.8.2015.

STUDIUM IN KOREA

Rebecca Maeder

(Rebecca Maeder)
Mein erster Kontakt mit Korea war die Begegnung mit Kang-Hyo Lee in 1998 in der Galerie- Eric Rihs in Les Emibois, Schweiz. Damals war ich in der Keramiklehre und hatte kaum angefangen, mit Ton zu arbeiten. Auf seiner Ausstellung gab der koreanische Onggi Meister persönlich eine Vorführung der Herstellung von Onggis: Durch einen Tanz mit riesigen Tonwülsten wurde innerhalb von 1 Stunde ein 1-Meter hoher Topf geboren. Das hat mich natürlich sehr beeindruckt, nicht nur die Technik sondern auch alles Unsichtbare, wie die Energie, die in diesem Tanz steckt und dessen ganze Ausstrahlung.
Mein zweiter Kontakt mit Korea war die Begegnung 2002 mit Seung-Ho Yang, bei dem ich in der Schweiz und in Frankreich ein Praktikum absolvierte. Bei ihm lernte ich die Schönheit der natürlichen und unsymmetrischen Formen, wie schön diese „tanzen“ können und wie man koreanischen Grüntee richtig genießt.
Ich war damals noch nie in Korea gewesen, und dies wurde nun mein Traum, das „Land des Stillen Morgens“ einmal zu entdecken. Durch meine Teilnahme an der 4. World Ceramic Biennale Korea in 2007 erfüllte sich dieser Traum dorthin zu reisen. Ich konnte zwar nichts lesen, aber irgendwie ging es schon, denn die Koreaner sind sehr hilfsbereit und empfangen die Touristen mit einem warmen Lächeln.

WERKSTATTGESPRÄCH MIT SIMCHA EVEN-CHEN

Simcha Even-Chen

(Evelyne Schoenmann)
Simcha ist ein Multitalent: sie ist Keramikerin und Wissenschaftlerin, sie ist u.a. in Jurys tätig und gibt Workshops, sie ist bei einigen Ausstellung präsent und sie ist zudem Mutter und Grossmutter. Ob sie deshalb so mühelos „Balance in Motion“ erstellt?
Simcha, wie viele andere Keramiker auch, bist Du erst nach einer Erstkarriere zur Keramik gelangt: Du warst Wissenschaftlerin und hast früher parallel in beiden Berufswelten gearbeitet. Wie hast Du es geschafft, Wissenschaft und Kunst in Übereinstimmung zu bringen?
Zeitgleich mit meiner Postdoktorandenstelle an der Hebrew University Medical School in Jerusalem habe ich begonnen, Abendkurse zu besuchen, um mich im Keramikhandwerk weiterzuentwickeln. Jedoch hätte ich mir damals nicht vorstellen können, dass Keramik dereinst meine zweite Laufbahn, ja schliesslich gar mein Hauptberuf werden würde. Jahrelang gleichzeitig in beiden Arbeitswelten zu arbeiten, wurde allerdings immer schwieriger. Es bedeutete harte Arbeit: tagsüber die Wissenschaft, abends und an den Wochenenden Keramik. Trotzdem war ich zu jener Zeit nicht gewillt, das eine oder andere aufzugeben. Vor eineinhalb Jahren bot mir die Hebrew Universität die Leitung eines neuen Biotechnologie Startup-Unternehmens an. Das hat mir natürlich geschmeichelt. Es hätte jedoch bedeutet, die Keramik ganz aufzugeben. Da beschloss ich, meinem Herz zu folgen, nach 22 Jahren meine Stelle an der Universität zu kündigen und mich künftig ausschliesslich der Keramik zu widmen.

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